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KI-generiert „Die EU hat den AI Act entschärft. Dann können wir ja erst mal abwarten.”
Verschoben ist nicht gestrichen. Wer jetzt abwartet, verwechselt einen Aufschub mit einem Freibrief.
Im Digital-Omnibus-Paket hat die EU im Mai 2026 beschlossen, zentrale Fristen des EU AI Act zu verschieben und einzelne Pflichten zu lockern. Daraus wird schnell: alles halb so wild. Tatsächlich verschiebt sich der Zeitplan, aber die Richtung bleibt. Und manches wird sogar enger.
Was sich verschiebt
Der große Brocken zuerst. Die umfassenden Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III greifen jetzt ab dem 2. Dezember 2027 statt wie bisher ab August 2026. Für Hochrisiko-KI, die als Sicherheitskomponente in regulierten Produkten steckt (Anhang I), verschiebt sich der Termin auf den 2. August 2028.
Auch an anderer Stelle gibt es mehr Luft. Die nationalen KI-Reallabore müssen erst bis zum 2. August 2027 stehen. Und die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 wird abgeschwächt: Statt ein bestimmtes Niveau sicherzustellen, sollen Unternehmen künftig Maßnahmen zur Förderung ergreifen.
Was enger wird, nicht weiter
Hier kommt der Teil, den die Abwarten-Fraktion übersieht. Nicht alles wird gelockert.
Die Schonfrist für die Wasserzeichen-Kennzeichnung KI-generierter Inhalte (Artikel 50) wird von sechs auf drei Monate verkürzt. Der neue Stichtag ist der 2. Dezember 2026. Wer auf eine lange Übergangsphase gehofft hat, bekommt weniger Zeit, nicht mehr.
Was gar nicht verschoben wird
Zwei Dinge gelten unverändert seit dem 2. Februar 2025: die Verbote bestimmter KI-Praktiken und die Pflicht zur KI-Kompetenz. Letztere wird zwar abgeschwächt, aber nicht abgeschafft und gilt bis zur finalen Reform im ursprünglichen Wortlaut fort.
Und die Transparenzpflichten nach Artikel 50 greifen weiterhin ab dem 2. August 2026. Wer KI für Kommunikation und Inhalte nutzt, muss sich also nicht 2027, sondern in wenigen Wochen damit befassen.
Auch die Sanktionen bleiben unangetastet. Bei verbotenen Praktiken drohen bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, bei anderen Verstößen bis zu 15 Millionen oder 3 Prozent. Der Omnibus senkt den Aufwand, nicht das Risiko.
Stand der Dinge
Wichtig für die Einordnung: Die Reform ist noch nicht in Kraft. Stand: 17. Juni 2026.
Auf die politische Einigung vom 7. Mai folgte am 16. Juni die Zustimmung des Europäischen Parlaments. Es fehlen noch die formale Annahme durch den Rat und die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt. Beides wird für Juli 2026 erwartet, rechtzeitig vor dem alten Stichtag im August. Bis zur Veröffentlichung gilt formal der ursprüngliche Zeitplan.
Für die Praxis heißt das: Plane mit den neuen Fristen, aber verlasse dich nicht darauf, bis sie schwarz auf weiß im Amtsblatt stehen.
Warum die Verschiebung kein Grund zum Zurücklehnen ist
Das erklärte Ziel des Digital-Omnibus ist, den Verwaltungsaufwand zu senken, um mindestens 25 Prozent bis 2029, für kleine Unternehmen sogar um 35 Prozent. Eine gute Nachricht für den Mittelstand.
Aber weniger Aufwand ist keine Befreiung von der Pflicht. Die zusätzliche Zeit ist ein Vorbereitungsfenster, kein Ruhekissen. Wer bis Dezember 2027 ein sauberes KI-Register, klare Risikoklassen und dokumentierte Maßnahmen haben will, fängt nicht im November 2027 an. Der Unterschied zwischen „wir haben Zeit” und „wir nutzen die Zeit” entscheidet, ob die Frist am Ende stressfrei oder hektisch wird.
Der erste Schritt bleibt ohnehin derselbe, egal welches Datum gilt: wissen, welche KI überhaupt im Einsatz ist. Genau das macht die NADOVO-Plattform sichtbar. Wie der strukturierte Einstieg aussieht, zeigt unser 4-Wochen-Plan. Und wer Unterstützung bei der Umsetzung braucht, findet sie in unserer KI-Compliance-Beratung.
Eine Frage zum Schluss. Wenn die neuen Fristen gelten: Beginnt für dich damit eine Pause oder ein Vorbereitungsfenster? Wo du heute stehst, zeigt unser Schnellcheck.
Über den Autor
Jochen Stier ist Mitgründer von NADOVO mit über 20 Jahren Erfahrung in Prozessmanagement und IT Service Management. Er unterstützt deutsche KMU dabei, die Anforderungen des EU AI Act systematisch und pragmatisch umzusetzen. Sein 5-Phasen-Framework NADOVO verbindet regulatorische Anforderungen mit praktischer Umsetzbarkeit, ohne Enterprise-Budgets oder komplexe Tools.
Weiterführende Informationen:
- EU AI Act Deadline: der Zeitplan im Überblick (Contoro)
- Rat der EU: Pressemitteilung zur AI-Act-Vereinfachung (7. Mai 2026)
- EU AI Act im Volltext (EUR-Lex)